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Robert Pfaller: Wofür es sich zu leben lohnt.

June 17, 2016

Elemente materialistischer Philosophie

 Cover: (c) Fischer Verlag 2011

 

* Beim Neid geht es um eine minimale Differenz, die den Vorteil des Anderen mir gegenüber auszumachen scheint.

Eigentlich ist Neid (nach Freud) eine neurotische Kinderkrankheit, die in unserem nicht überkommenen Narzissmus wurzelt: die Ausschließlichkeit, die scheinbar verhindert, dass wir etwas sein oder haben können, weil es bereits jemand anders ist oder hat. 

 

* Wir changieren zwischen einem "Ideal-Ich", das wir gern wären, und dem tatsächlichen. (Vgl. Freuds "Über-Ich" vs. "Selbst"?) Und so definieren wir "Laster", wenn wir wissentlich vom Ideal abwechen, und empfinden Triumph, wenn wir uns ihm ehrlich annähern.

 

* Identität: "Ist nicht gerade die verbissene Beschäftigung mit der eigenen Identität Ausdruck einer tiefen, narzisstischen Unfähigkeit, über den Tellerrand der eigenen Person hinauszublicken und weiter reichende Glücksansprüche zu stellen?" (S. 160 ff.)

 

Pfaller meint: Wichtig ist, seine "Rolle gut zu spielen" (nach Epiktet), und nicht zu viel auf die Beschaffenheit dieser zu geben. Die Rolle zu nutzen ist möglich, erfordert aber Übung, und diese scheint in unserer selbstverliebten, auf Quantität bedachten Gesellschaft einfach verpönt.

 

* Geschenke: Können "engiften", wenn wir durch sie etwas teilen können; und "vergiften", wenn sie uns den Mngel nehmen, den wir brauchen. Sie liefern uns darum "unverzüglich der fundamentalen Existenzangst aus, der wir Pascal zufolge erliegen, wenn es nichts gibt, das uns daran hindert, an uns selbst zu denken, und wir gezwungen sind, der Wahrheit unserer elenden Lage ins Auge zu sehen." --> ein Mangel des Mangels entsteht. Wir aber brauchen unerfüllte Wünsche, Begehren, um nicht am Ist verrückt zu werden.

 

* Leben und Überschuss: Erst, wer bereit ist, das Leben zu riskieren, um es zu genießen - also nicht "spart", sondern "prasst" - schätzt es so, wie ein Geschenk zu schätzen sei. Exzess, Überschuss, Übertreibung als Ausdruck von Hingabe, Dankbarkeit und bewusstem Genuss; konträr zum neurotischen, weil unterdrückten u. schuldig empfundenen Genuss.

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