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Desolé, dein Vermächtnis ist Altpapier

Muss es nicht der größte Schmerz sein für die Schreibende, zu wissen: Diese Spuren werden nie von Bedeutung sein? Leichter noch ist's für die, die keinen Nachlass irgendeiner Art haben ... Doch für diejenige, deren Leben in fünfzig, hundert Notizbüchern erfasst und Wort geworden ... es ist eine beklemmende Traurigkeit, diese Vorahnung. Warum aufheben? Wozu, für wen? Weil sie dein Leben sind? Aber wen soll das später interessieren, wenn nicht die, die's gelebt hat? Das Leben, ein Notizbuch, eher dünn, unaufgeregt, ein, zwei hübsch gestaltete Seiten und ein Cover, auf dem alle unsere Namen stehen, die wir über die Jahre getragen haben. Es ist lose gebunden, aber es hält. Irgendwann finde

Schreiben: selbstreferenziell

Ich glaube, keine Frau kann ganz losgelöst von ihrer Biografie schreiben. Darum kommen viele der gewagtesten, der realitätsfremdesten Geschichten aus Männerhand. Für die Autorin ist das größte Rätsel eben die menschliche Einbettung. Und die größte Aufgabe die Harmonisierung dessen, was ihr mitgegeben wurde und was sie aus sich selbst herausschöpft. Immer mit der Frage: Wovon kann ich mich befreien? Als Tochter, als Mutter, als Frau ohne Referenzpunkt - wo, hinter dem anderen, beginne ich? Wo ende ich? Der Mann, oftmals, erzählt Geschichten. Für die Frau ist Schreiben immer auch der atemlose Versuch, sich selbst endlich durch die eigenen Augen zu sehen. "Nur wenn ich schreibe, fühle ich mich

Hinter dir die weiße Wand

Die letzte Zahl, die Roman Opalka malte, war 5607249. (Bewusst ohne Leerzeichen. 5607249. Auf den ersten Blick ist die Millionenstelle gar nicht erkennbar. Was ist auf den ersten Blick überhaupt erkennbar?) Was ist das Leben außer einer endlosen Abfolge von einem nach dem anderen? (Ausstellung: Die Kraft des Alters - Unteres Belvedere, Wien) Und was ist das Lebenswerk im Alter, wenn nicht eine Abfolge von Allem, durcheinandergelaufen vor dem Zeitprojektor. Millionenfachbelichtung. Hat dann noch irgendetwas Bedeutung? Ich würde es ihn, vor allem, gerne fragen. Hinter dir, hinter mir, eine weiße Wand. Ich blicke über deine Schulter. Wir ahnen es beide. Noch bist du da, aber wie lange noch? In