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Beziehung, Allmächtiges

Peter Stamm, "Nacht ist der Tag" Fast nervenaufreibend nebensächlich und lakonisch erzählt Peter Stamm von großen Gefühlen - so mag ich das. Dass sich seine Männer dabei von ihren Frauen tyrannisieren lassen, kann man thematisieren, muss man aber nicht. Ich beurteile einzig das emotionale Momentum dieses Buches. Aus dem Wühltisch gepflückt, aufgeschlagen, nach 30 Seiten die Zeit vergessen und am Folgetag ausgelesen. Gedanklich hallt nach, was Beziehung ist und sein kann.

Was wissen wir vom Schiffbruch?

Franzobel, "Das Floß der Medusa" Eine mächtige Erzählung, nicht nur über den Preis des Überlebens, wie der Klappentext verspricht, sondern auch über die Kosten menschlichen Hochmuts und die an gegeneinanderüberliegenden Enden zerrenden Kräfte Egoismus und Nächstenliebe. "Das Floß der Medusa" ist ein großer, in die Länge gezogener Unfall, eine Katastrophe, und wie in dem Sprichwort kann man den Blick nicht mehr abwenden. Trotz einer Liebe zum Detail nimmt diese Gesichte derart Fahrt auf, dass man das Buch nicht mehr wegzulegen vermag. Franzobels Schreibstil ist einzigartig: reichhaltig, plebejisch, schnoddrig, wortgewaltig. Seine Sätze, seine Dialoge und Beschreibungen sind archaisch-melod